27. Juli 2010 ·
17:54
In der Baumgartner Höhe umarmen Patientinnen manchmal Patientinnen, wenn eine vor seelischem Schmerz leidend zum Beispiel so wie ich einmal auf dem Fußboden auf allen vieren kriecht. Ich hatte hundertmal, wenn ich rauchend auf einem der Stühle saß, gedacht: Jetzt lasse ich mich fallen.
Brigitte Schwaiger 1949-2010
20. Juli 2010 ·
10:46
»…in naturalistischer Verneinung wunderbar puristische Trostlosigkeitsszenarien an Sickerwassersound…«
Kurzum: Großartige Schmerzensstudien
18. Juli 2010 ·
20:34
Es war eine schwüle Nacht, kein Hauch. Kein Luftzug von nirgendwoher: die Kanzlerin schlief nicht. Den ganzen Tag über hatte sie unter sengender Sonne den falschen Blazer getragen und jetzt in der Nacht musste sie ihrem Hausmeister in aller Deutlichkeit mitteilen, dass der vormals aus dem Fenster baumelnde Schlauch der mobilen Klimaanlage dort nicht mehr hing.
Der Schlauch, sagte der Hausmeister, ist jetzt auf YouTube.
Was macht er denn da, fragte die Kanzlerin verzweifelt, denn es war ihr so unendlich warm.
Er wird angeklickt, erwiderte der Hausmeister, viele tausend, abertausende Mal.
Das konnte die Kanzlerin nicht auf sich beruhen lassen, nicht bei tropischen 25 Grad in einer Berliner Sommernacht. Ich frage es frei heraus, fragte sie ihren Hausmeister, können unsere verdeckten Ermittler der Spezialeinheit für Computerkriminalität das verheerende Geklicke nicht verhindern?
Nein, seufzte der Hausmeister, unsere verdeckten Ermittler versuchen gerade mäuseringend einen Staatsnotstand abzuwehren.
Wie das?, fragte die Kanzlerin, sich mittels eines Fächers Luft verschaffend, ich frage das in aller Offenheit.
Die digitale Infrastruktur, berichtete der Hausmeister, wurde gegen 19 Uhr 32 durch schwerstkriminelle Hacker bedroht, die mittels Contentklau den Slogan Leistung aus Leidenschaft aus dem Internetauftritt der Deutschen Bank entfernt und bei ebay eingestellt haben, wo Walter Mixa gerade das Mobiliar des Augsburger Bischofssitzes verkloppt.
Ist da ein Schnäppchen dabei?, fragte die Kanzlerin.
Darum konnte ich mich noch nicht kümmern, erklärte der Hausmeister, unsere BKA-Ermittler haben nämlich die ganze Reichweite des ungeheuren digitalen –
Dingens?, half die Kanzlerin weiter.
Genau, flüsterte der Hausmeister, haben sie doch verdeckt ermittelt, dass Ilse Aigner – gehirngewaschen durch schwerstkriminelle Hacker – einen Bot laufen hat, der den Beziehungsstatus von Günther Jauch in »Es ist kompliziert« ändert, sobald Gregor Gysi und Herr Jörges Freundschaftsanfragen an Maybrit Illner verschicken UND (dem Hausmeister ging nun doch ein wenig die Luft aus) Anne Will die Freundschaftsanfragen von Walter Mixa ignoriert.
Der verkloppt doch sein Mobiliar auf ebay, versuchte die Kanzlerin sich zurechtzufinden, bevor ihr die ganze Tragweite der erhaltenen Informationen bewusst wurde: Ilse Aigner, stöhnte sie laut, hat einen Bot laufen?
Richtig, flüsterte der Hausmeister, und weil unsere Jungs dem Aignerbot auf der Schliche sind, können sie sich kaum noch um jene schwerkriminellen Hacker kümmern, die gerade in den Internetauftritt von Daimler eingebrochen sind und aus dem Gewinn vor Steuern eine Dividende gecoded haben, die sie an sämtliche deutschsprachigen Twitterer verteilen, die gegen acht Uhr morgens den Hashtag #bahn abwertend verwenden.
Das sind zu viele, stöhnte die Kanzlerin, der digitale Angriff ist verheerend!
Beunruhigt durch diese Ermittlungen schleppte sie sich bei schwülnächtlichen 24,6 Grad zu ihrem wartenden Handy und simste ihrer Büroleiterin, dass sie geich anrufen werde. Gesimst, getan, die Kanzlerin rief an: Frau Baumann, wenn ich das deutsche Internet vom Netz nehmen will, wo muss ich da drücken?
Haben Sie Ihr iPad zur Hand, kam die Gegenfrage aus dem Kanzleramt, aus dem Frau B. ja niemals wich.
Nein, sagte die Kanzlerin, das liegt in der Spülmaschine, wegen der Fingerabdrücke auf dem Display.
Dann nehmen Sie einfach den Computer, riet Frau B.
In aller Offenheit, fragte die Kanzlerin, wo muss ich kriminalbeamtengemäß drücken?
Sie müssen nach oben greifen, sagte Frau B., in Richtung Kopf.
Oh, sagte die Kanzlerin, dann schalte ich jetzt ab.
Schlafen Sie gut.
13. Juli 2010 ·
19:15
Vor einem Mietshaus trug sich folgendes zu: auf der anderen Straßenseite stand ein Mann mit einer Kamera. Die richtete er sehr lange auf das Haus. Einige der Mieter zeigten sich beeindruckt.
Da isser!
Sehen Sie mal, da steht er!
Das ist ja frech!
Was macht der da?
Das sehen Sie doch, der fotografiert das Haus!
Ach, das ist der – dieser Internetdings, dieser –
Google!
Wir sind doch gar nicht gefragt worden, nachher kommt das ins Internet.
Ja sicher kommt das ins Internet, darum steht er ja da.
Also ehrlich, letztes Jahr hat eine junge Frau das Haus fotografiert, auch den Baum da drüben, und nichts davon war im Internet.
Das wissen Sie doch überhaupt nicht! Kennen Sie das ganze Internet?
Das ganze nicht, aber doch einen Teil. Haben Sie noch nie auf einem Spaziergang ein Haus fotografiert?
Nein, so etwas mache ich nicht!
Google macht das jedenfalls, um jedes Haus in jeder Straße in jeder Stadt den Einbrechern der ganzen Welt zu zeigen.
Ach, hören Sie doch auf! Bei jeder Hitzewelle lassen Sie die Fenster offen stehen, das ist für die Einbrecher viel interessanter.
Der Mann mit der Kamera ging einfach nicht weg.
Jetzt steht der schon eine Ewigkeit, hat der überhaupt schon mal auf den Auslöser gedrückt?
Wissen Sie was? Google fährt beim Knipsen, will sagen: die haben Wagen, und auf den Wagen sind die Kameras montiert.
Aber der da steht.
Seltsam.
Und wieso nur unser Haus? Das da drüben ist doch noch viel schöner.
Finden Sie?
Fünf Minuten später stand neben dem Mann mit der Kamera ein anderer Mann, den alle kannten: es handelte sich um den Eigentümer des Hauses, auf welches der Mann seine Kamera richtete. Einem der Mieter war das jetzt zu blöd, also ging er fragen und kehrte sehr viel schlauer zurück.
Ha! Entwarnung, was regt ihr euch auch gleich so auf. Das ist ein Statiker.
Ach, das ist gar nicht der Google?
Nein, nur ein Statiker.
Lange Pause.
Sagen Sie mal: ein Statiker, der prüft doch –
Ja, ja, der guckt, wie stabil das alles ist. Statiker, das kommt von der Statik, nicht von der Statistik.
Wegen der Risse in der Wand im ersten Stock?
Kann sein, ja.
Einen Statiker habe ich zuletzt gesehen, als das Kölner Stadtarchiv ... (Herr im Himmel...)
Vorher oder nachher?
Eigentlich egal, oder?
Jedenfalls ist es nicht dieses Google!
Nein, das ist es nicht.
10. Juli 2010 ·
08:56

Jetzt kann man mit dem iPhone 4 auch telefonieren, denn das Signalproblem ist gelöst. So muss man es halten.